Interview mit Clemens Gubler, NOVO Business Consultants

Herr Gubler, Sie sind Partner und Berater bei NOVO Business Consultants. Weshalb unterstützt NOVO BC die IT-Performance-Initiative für die Schweizer Verwaltungen?

Um Prozesse in öffentlichen Verwaltungen effizient gestalten zu können, kommt der IT immer grössere Bedeutung zu. Oft wird aber das Potential nicht oder nur teilweise ausgeschöpft.

Sehen Sie als erfahrener Berater im Umfeld von Schweizer Verwaltungen Effizienzpotenziale, die sich mittels der IT besser ausschöpfen liessen?

Es gibt viele Bereiche, bei den Verbesserungen erreicht werden können. Prozesse sind beispielsweise nicht einheitlich über eine Verwaltung implementiert. Standardisierung und somit auch einheitliche Lösung können nicht erreicht werden. Zudem sind die IT Umgebungen oft sehr heterogen und decken die Prozesse nur lückenhaft oder mit Medienbrüchen ab. Die Entscheide für IT Anschaffungen basieren zu selten auf einer klaren Gemeinde IT-Strategie und sind somit im Sinne einer langfristigen Nachhaltigkeit zuwenig fundiert.

Die Kernaufgabe einer Verwaltung ist das Schaffen von Bürgernutzen. Sehen Sie das auch so?

Die Verwaltung darf sich nicht dem Prinzip ‚l’art pour l’art’ verschreiben. Der Nutzen des Bürgers, aber auch der Gesellschaft, muss prioritär verfolgt werden.

Kann und muss man eine Verwaltung nach betriebswirtschaftlichen Kennzahlen führen, oder widerspricht dies ihrer eigentlichen Aufgabe?

Wir stellen vermehrt eine Professionalisierung auf allen Gebieten fest. Auch bei der Führung von öffentlichen Verwaltungen werden immer mehr betriebswirtschaftliche Prinzipien angewandt. Die Gemeinden müssen vermehrt Rechenschaft ablegen, welchen Wert sie durch ihre Arbeit schaffen. Das Arbeiten mit Kennzahlen hilft zur Steuerung von Organisationen und ist somit ein gutes Werkzeug für öffentliche Verwaltungen.

Vor einigen Jahren wurden unter dem Titel „New Public Management“ massive Anstrengungen unternommen, die Ausgaben einer Verwaltung mit konkreten Leistungszielen zu versehen, um ein Wirkungscontrolling einzuführen. Weshalb hat sich NPM als globaler Ansatz nie durchsetzen können?

NPM verfolgte verschiedene konkrete Ziele. Neben der Modernisierung der Verwaltungsführung förderte das NPM v.a. auch das betriebswirtschaftliche Denken in den Verwaltungen. Bei der Umsetzung tat man sich nicht selten aber schwer. Die implementierten Lösungen waren zum Teil zu komplex, zu doktrinär angelegt, zu detailliert und somit aufwändig. Viele Elemente des NPM stehen aber heute in fast allen Verwaltungen im täglichen Einsatz und werden laufend weiterentwickelt. Ich denke dabei zum Beispiel an Kosten-/Leistungsrechnungen, die ein zentrales Werkzeug zur Führung von Organisationen darstellen.

Activity

No comments, leave your comment or trackback.

Leave a Reply