Informatik – wert, was sie kostet?

ST. GALLEN, 12. MÄRZ 2009. E-Government ist «in»: Bürger füllen die Steuererklärung elektronisch aus und wählen per Handy. Gemeindeangestellte profitieren vom papierlosen Büro. Doch rechtfertigt dieser Nutzen die hohen Kosten? Jetzt gibt eine Benchmark Auskunft.

Die st. gallischen Gemeinden und der Kanton arbeiten seit längerem im IT-Bereich zusammen und verfolgen gemeinsam eine E-Government-Strategie. Das kostet eine schöne Stange Geld – Computer, Server und elektronische Leitungen und Verbindungen sind teuer. Bis jetzt hat man sich schicksalsergeben in das scheinbar Unausweichliche geschickt. Doch schliesslich wollten es kostenbewusste Gemeindepräsidenten und die E-Government-Verantwortlichen des Kantons genauer wissen und beauftragten das ISG Institut St. Gallen, der
Sache auf den Grund zu gehen.

Rollende Kontrolle

Die Fachleute haben ein neues computergesteuertes Prüfmodell und -instrument geschaffen, das nicht nur Auskunft gibt für einen einzigen, bestimmten Zeitpunkt (ähnlich wie die Bilanz eines Unternehmens oder des Dorfvereins), sondern das laufend nachgeführt wird und den Teilnehmern zeigt, wo ihre elektronische Ausstattung steht, was diese an Geld und Ressourcen verschlingt und was Verwaltung und Bürger für die Investition bekommen.

Für Oliver Fiechter vom ISG Institut ist das St. Galler Projekt «exemplarisch, weil alle Partner das Modul mit Daten füttern, dann aber spezifisch Resultate abrufen und nutzen können». Dieser Datenpool ist als Benchmark-Portal eingerichtet. Die Teilnehmer können daraus bedürfnisgerecht ihre Daten im Umfeld vergleichbarer Gemeindeverwaltungen aufrufen. Da stehen dann auf dem Bildschirm neben den Werten über Kosten, Strategieeffizienz, Gesamt- und Anwendernutzen der eigenen IT-Ausstattung auch das Ranking der eigenen Gemeinde verglichen mit anderen Gemeinden sowie die Gesamtwerte der besten und der schlechtesten Gemeinde. Berücksichtigt ist bei diesen Werten bereits die Gemeindegrösse. Es wird nicht eine kleine mit einer grossen verglichen, sondern innerhalb ähnlich grosser Gemeindeverwaltungen. Und damit nicht die berühmten Äpfel mit Birnen verglichen werden, hat das ISG Institut ein paar Sicherheiten eingebaut. So rechnet das Modul beispielsweise neben den Kosten pro Einwohner auch die Kosten pro 100-Prozent-Stelle. «Das kann wichtig sein», sagt Oliver Fiechter, «wenn eine Gemeindeverwaltung beispielsweise für Dritte gewisse IT-Dienstleistungen gegen Bezahlung erbringt.»

Sofort Nutzen ziehen

Mit den Erkenntnissen aus dem Datenvergleich können Gemeindeverantwortliche sofort Schlüsse ziehen und mit Gemeinden Kontakt aufnehmen, die im Ranking vor ihnen plaziert sind. Daraus können Effizienzgewinne oder Kosteneinsparungen resultieren.

Das bestätigt auch Beat Tinner, Gemeindepräsident von Wartau und Präsident der Vereinigung der Gemeindepräsidenten (VSGP): «Dank diesem Datenvergleich sind Sparmöglichkeiten überprüfbar.» Entscheidend sei allerdings, die richtigen Schlüsse aus den Vergleichen zu ziehen. Für Tinner ist klar: «IT ist grundsätzlich Chefsache. Er braucht deshalb nicht ein Freak zu sein. Mit der IT werden aber Prozesse in der Verwaltung gesteuert, und deshalb muss der Chef wissen, was möglich ist und was sinnvoll.»

Jede Gemeinde müsse selber entscheiden, welche Prioritäten sie setzen wolle, sagt Tinner. Seine Gemeinde Wartau beispielsweise setzt seit längerer Zeit auf eine «Ein-Anbieter-Strategie». Das hat der Gemeinde bisher relativ niedrige Kosten beschert. «Mit einer geschickten IT-Strategie und gut überlegten Investitionen hilft IT, die Personalkosten im Griff zu behalten und tendenziell sogar zurückzufahren», sagt Beat Tinner.

Neue Aufgabenfelder

Er sieht weitere Aufgabenfelder der Gemeinden, die mit elektronischer Unterstützung einfacher und günstiger bearbeitet werden können: «Die elektronische Verarbeitung ist dort sehr sinnvoll, wo es um Massengeschäfte geht – wie beispielsweise bei Steuererklärungen oder beim Datenverkehr im Ausländerwesen – und dort, wo es um die Koordination geht, etwa bei Baubewilligungsverfahren, an denen mehrere Amtsstellen beteiligt sind.» Die elektronische Verarbeitung beschleunige die Verfahren und erhöhe die Transparenz für Kunden und Verwaltung, sagt Tinner stellvertretend für die Gemeinden.

Markus Löliger im St. Galler Tagblatt

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